Neue Arbeitswelt: Schneller, effektiver, kostengünstiger oder sinnerfüllender und wertvoller?

Veränderungsprozesse begleiten unser Dasein. Ich bin sehr dankbar dafür, in dieser Zeit leben zu dürfen, Teil der neuen Arbeitswelt zu sein, ja sogar einen Beitrag leisten zu dürfen. Hier stelle ich die Frage, um was es wirklich geht, was die Menschen „wirklich“ wirklich wollen?

4-D-Trends der neuen Arbeitswelt

Aktuelle sind es Trends, Markt- und Gesellschaftsentwicklungen, die den Fortschritt in der „Neuen Arbeitswelt“ generieren. Sie lassen sich in vier großen Kategorien zusammenfassen: 4-D steht für Digitalisierung, Demokratisierung, Dynamisierung und Distanzierung.

Digitalisierung

Da ist an erster Stelle jedenfalls die Digitalisierung. Plötzlich können wir unabhängig von Zeit und Ort arbeiten, alle Daten und Informationen sind jederzeit und allerorts verfügbar. Das eröffnet neue Dimensionen. Die Speicherung und Verarbeitung der durch unser Tun und Handeln generierten Daten wird uns in den nächsten Jahren von einer zur nächsten unerwarteten Überraschung führen.

Demokratisierung

Unter Demokratisierung verstehen wir vor allem die Anforderung an ganz neue Führung, an Leadership-Skills, mehr dazu später. Nur ein kleiner Teil der Arbeitenden ist noch bei dem Arbeitgeber beschäftigt, bei dem man begonnen hat zu arbeiten. Der Job bei einer Firma auf Lebenszeit ist Geschichte. Menschen und Mitarbeiter sind viel mobiler geworden. Der psychische Druck nimmt zusehends zu, die Anzahl der psychischen Erkrankungen hat sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt. Unternehmen haben erkannt, dass informelle Kommunikation Innovation generiert und setzen auf Zonen und Bereiche, die diese informelle Kommunikation fördern, ja geradezu herausfordern.

Distanzierung

Die Distanzierung spiegelt sich in der erschütternd niedrigen emotionalen Bindung der MitarbeiterInnen zu ihren Unternehmen wider. In Deutschland sind es gerade mal 16 % der MitarbeiterInnen[1], die eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber haben. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass 84 % eine geringe oder keine emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber haben. Der Kampf um junge MitarbeiterInnnen ist im „War for talents“ zur Realität geworden. Mehr als ein Viertel aller ArbeitnehmerInnen arbeiten in atypischen Arbeitsverhältnissen. Die mitteleuropäischen Gesellschaften sind von starker Migration betroffen, Eheschließungen sinken und Haushaltsgrößen werden kleiner, der Singlehaushalt beherrscht die Gesellschaft.

[1] Siehe Gallup Engagement Index Studie, 2015

Dynamisierung

Wenn wir von Dynamisierung sprechen, so wissen wir heute, dass Umgebung und Raum nachweislich einen positiven Einfluss auf Arbeit und Leistung liefern. Neun von zehn Mitarbeitern sagen, dass sie ihre besten Ideen nicht am Arbeitsplatz, sondern an ganz anderen Orten haben, unter der Dusche, am Sofa, beim Sport, beim Lesen etc. Drei von fünf Studenten wollen unabhängig von Arbeitszeit und Arbeitsort arbeiten. Sie nutzen dritte Orte für Inspiration, Idee und als motivationsfördernde Umgebung. Anforderungen und Wünsche der jüngsten Generationen sind anders. Da ist wieder viel mehr Interesse an Qualität, an Familie, an wertvoller Beziehung und Ausgeglichenheit spürbar.

Der Fortschritt entwickelt sich exponentiell. Die Digitalisierung gibt den Takt an und so wie sie die letzten zwanzig Jahre bahnbrechende Veränderungen gebracht hat, werden die Errungenschaften der nächsten Jahre sicher noch viel tiefgreifender und wirksamer sein. Machen wir uns darauf gefasst.

Diese Entwicklungen können wir beobachten, verfolgen und uns am Fortschritt ergötzen. Es geht aber noch um viel mehr. Eingangs habe ich die Frage aufgeworfen, was die Menschen „wirklich“ wirklich wollen. Neue Arbeitswelt steht für das starke Bestreben unserer Gesellschaft und den tiefen Wunsch der Menschen, Kultur sicht- und erlebbar zu machen. Die Sehnsucht nach Haltung und Werten wie Vertrauen, Verantwortung und Wertschätzung ist stark wahrnehmbar. Menschen wollen in ihrer Arbeitswelt Orientierung und Verwirklichung finden. Für mich kann es nur dieses Konzept unserer Welt geben, ein System, das es jedem Individuum ermöglicht, Entfaltung in seinem Rahmen und Umfeld bestmöglich erleben zu können, daraus Selbstwert zu generieren und Wert zu schöpfen, einen Beitrag zu leisten, der belohnt und anerkannt wird. Freude, Glück, Zufriedenheit werden als Erfolg wahrgenommen. Ich wünsche jedem von uns dieses Erlebnis einer Arbeitswelt, die dies ermöglicht. Noch ein Gedanke: Erwarten Sie das nicht von anderen, ändern können sie das nur selbst. Viel Freude dabei!

2017-10-18T16:10:10+00:00 21.09.2017|Digitalisierung, Gastbeitrag, IT-Trends|

Über den Autor:

Andreas Gnesda
Geboren 1966 in Wien, verheiratet, Vater von drei Kindern. Begeisterter Unternehmer, seit 1985 im Bereich Office Consulting tätig. Mehr als fünfhundert Projekte im In- und Ausland mit seinem Unternehmen teamgnesda unterstreichen sein Anliegen: die Schaffung von Arbeitswelten, die Menschen und Organisationen erfolgreich machen! (beispielsweise Erste Campus, Bank Austria Campus, Wirtschaftsuniversität Wien, ÖBB, Verbund, HP, Post, OMV, Gerichtszentrum Wien, Raiffeisenbank, etc.). Seine Erfahrungen gibt er seit vielen Jahren weiter als Lektor an Universitäten, Fachhochschulen, als Key-Note-Botschafter und als Trainer. Seit 2014 ist Andreas Gnesda Präsident des Österreichisches Gewerbevereins (ÖGV), der ältesten Unternehmervereinigung Österreichs, gegründet 1839, und setzt sich dort für Unternehmertum ein. Er ist Buchautor und Mitbegründer des Forschungsinstituts „Next Generation Enterprise“, das sich mit der Zukunftssicherheit von Unternehmen beschäftigt.

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